Ausstellung Rathaus Edewecht 2004

Ausstellung, Autorentext

Ansprache des Kunstkritikers Reinhard Rakow zur Ausstellungseröffnung

Textausschnitt:

Der Wohlklang, ja die Übersättigung des Wohlklangs der Farben ist ein Zeichen unserer Träume von der vermeintlichen Unversehrtheit der Welt der Kindheit – heil ist diese Welt, schön und leuchtend, ihr Glanz überstrahlt vieles, blendet anderes aus.

Petra Sommerhäusers Malerei, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist eben in diesem Sinne traumhaft: Sie bringt die Harmonien der Kindheit zurück und kündet, indem sie deren Akkorde weiterträgt in die verschiedenen Genres ihrer Kunst, von der Existenz einer behüteten, behütenden Welt und kündet zugleich von der Macht des lodernden Glaubens daran, dass es eine solche Welt gebe.

Viele dieser Bilder – im buchstäblichen „schönen“ – der Ausstellung verstehen sich aus der Perspektive des kindlichen Blicks, erkennbar nicht zuletzt an einem Repertoire von Chiffren, das uns, die wir die christliche Mystik und die Kunst Marc Chagalls kennen, wohlvertraut scheint, wohlvertraut durch ein am kindlichen Verstehen und Erleben ausgerichtetes Vokabular von Sonne, Mond und Sternen, Fischen, Tieren, Menschen und auch Märchenzubehör wie Burgen, Häuser und Schlösser, Bäume und Flüsse wollen nicht fehlen.

Unabhängig von der verwendeten Technik – Aquarelle, teils mit eingearbeiteten Pigmenten, teils mit Spachtel bearbeitet, teils mit Collagen kombiniert, Mischtechniken unterschiedlichster Ausformung – , unabhängig auch vom Motiv und Sujet fällt dreierlei ins Auge:

Die Gabe und Bereitschaft der Künstlerin, sich auf das Wagnis neuer, teils aleatorischer Verfahren einzulassen,
zweitens: die im musikalischen Sinne impressionistische Raumkompositorik, die ein die Grenzen der Flächen eröffnendes, überwindendes Gefüge erschafft, das im Zusammenklang mit den Farbwerten eine Art fliegenden Teppich erschafft, einen flirrenden, brodelnden, vibrierenden Grund für die jeweilige Bildaussage, und
drittens: das Gefühl für aus sich heraus warm leuchtende, intensive Farben, Farben, die für mich nicht erklärbar sind ohne den eingangs angesprochenen lodernden Glauben an das Gute, das in der Urheberin dieser Bilder verborgen sein muss.

Betrachten wir das Titelbild dieser Ausstellung, hier auf dem Poster, so können wir einige repräsentative Elemente dieser Art, Bilder zu komponieren, nachvollziehen: ein in vielfacher Nuancierung klingender Farbraum, Formen – mit einer Ausnahme, dem himmelwärts weisenden Doppeldreieck – , die sich bei aller Figürlichkeit bis zur Unkenntlichkeit überlagern oder aufgehen im Meer der leuchtenden Farben.

Man kann dieses wie andere Sommerhäuserbilder hören wie ein Konglomerat geballter Akkorde, bei dem der Zusammenklang, die sinnliche Erfahrung seiner Totalität, das Wesentliche ist und seine Takte, Melos und Brios, bildmäßig: Gestalt und Erzählung, sich allenfalls mittelbar aus dem Eindruck erschließen, ein Eindruck, den besagte Dreiecke und die kindlich am Himmel geschriebenen Lettern „Halleluja“ in eine bestimmte Richtung lenkt.